Neue Projekte:

Fair Fashion

Nach dem erfolgreichen Etablieren fair gehandelter Lebensmittel stellt Transfair sein neues Projekt vor: Mode aus fair gehandelter Baumwolle.

Gelungene Dramaturgie Ende August im Kölner Stadtanzeiger: Anlässlich des Spielzeug-Skandals prangert die Tageszeitung in einem großzügig doppelseitig aufgemachten Rundumschlag chinesische Arbeitslager, gesundheitsschädliches Kinderspielzeug und bleihaltige Baby-Textilien aus China an. Auf der Folgeseite: Ein – allerdings kleinerer – Artikel über Sinnen und Streben der Organisation Transfair e.V., die neuerdings auch Textilien aus fair gehandelter Baumwolle auf den Markt bringt. Das dürfte sitzen.
Fehlende Qualitätskontrollen, undurchsichtige Produktionsmethoden, anonyme Ware, logistische Labyrinthe – das Vertrauen des Konsumenten ist im Keller, die Sensibilisierung schreitet voran: In 2006 wurden weltweit 1,6 Milliarden Euro für zertifizierte Fairtrade-Produkte ausgegeben. Zur Sensation wird diese Zahl erst im Zusammenhang mit ihrer Steigerungsrate: Eine Zunahme von 40 % gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland stieg der Fairtrade-Konsum im genannten Zeitraum sogar um 50 %, auf einen Gesamtwert von 110 Mio. Euro Umsatz. Kaffee, Bananen und Süßwaren sind dabei die stärksten Produkte.

Mode auf Fairtrade-Kurs

Nun sollen Textilien und Mode die Palette fair gehandelter Waren ergänzen. In Düsseldorf präsentierte Transfair e.V. erstmals Textilien und Kosmetikartikel aus Fairtrade-Baumwolle, gemeinsam mit ersten Partnern aus der Modebranche, die sich mit der erworbenen Lizenz zum Einsatz fair gehandelter Baumwolle verpflichtet haben bzw. sich zum fairen Handel bekennen. Die finnische Modemarke Nanso, der Schweizer Hersteller Switcher oder die Modedesignerin Nina Lorkovic mit ihrem Label „Milch Fairtrade Shirts“ gehören zu den Vorreitern.

 
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„Mit dieser 5-Pocket tragen Sie nicht nur eine topaktuelle Denim, sondern zugleich Verantwortung ...“ So beginnt der Text an den gardeur Jeans aus fair gehandelter Baumwolle. Handel und Konsumenten zeigen sich fair gehandelten Produkten gegenüber vergleichsweise offen, trotzdem ist Aufklärung und Promotion notwendig. Neben einem Fairtrade-Webetikett ist jede Jeans mit einem kleinen Booklet als Hangtag ausgestattet, das über Produkt-Hintergründe und die des Fairen Handels informiert.

Die prominenteste Fairtrade-Modemarke jedoch ist gardeur. Die ersten 36.000 für H/W vorgeorderten Fairtrade-gelabelten Männer-Jeans der Marke wurden gerade auf rd. 180 Verkaufsflächen geliefert, u.a. bei Peek & Cloppenburg, SinnLeffers, Karstadt, Kaufhof. gardeur Sprecherin Sabine Prehn: „Da wir eigene Herstellungswerke in Tunesien haben, können wir große Transparenz gewährleisten und sicherstellen, die Fairtrade-Auflagen zu erfüllen.“ Für F/S erhöhte sich die Vororder bereits auf rd. 50.000 Fairtrade-Jeans. Beim Handel seien Offenheit und Interesse dem Thema gegenüber groß, so die bisherigen Erfahrungen des Unternehmens. Und seit der Veröffentlichung des Transfair-Projektes in vielen Tageszeitungen und anderen Publikumsmedien erkundigten sich Konsumenten häufig per eMail bei gardeur nach Möglichkeiten, Fairtrade-Jeans zu erwerben.
Warum sich Transfair, der „Verein zur Förderung des fairen Handels mit der „Dritten Welt“ e.V.“, der seit rd. 15 Jahren hauptsächlich im Foodbereich aktiv ist, nun ausgerechnet das Textile, die Mode mit ihrer hochkomplexen Lieferkette als Projekt gewählt hat? Nicht, weil es als aktuelles Marketing-Thema einen schnellen Profit verheißt. Sondern: Weil es die Dringlichkeit in den Entwicklungsländern gebietet. „Die Situation der afrikanischen Baumwoll-Anbauer ist dramatisch. Viele sind hoffnungslos verschuldet. Es gibt immer mehr Selbstmorde aus Ausweglosigkeit,“ erklärt Geschäftsführer Dieter Overath. Und das, obwohl Afrika zweitgrößter Baumwoll-Exporteur weltweit ist. Für rund 20 Mio. Menschen in Afrika ist die Baumwolle die wichtigste Einnahmequelle. Overath: „Durch marktverzerrende Subventionspraktiken im Weltmarkt können afrikanische Bauern ihre Baumwolle nicht mehr verkaufen.“ Mit Hilfe des Fairen Handels und den daraus bedingten Mehreinnahmen können Baumwollproduzenten ihre Lebensqualität verbessern. Der Marktpreis für Baumwolle liegt in Burkina Faso, Mali oder Senegal zwischen vier und 18 Cent pro Kilo. Eine zusätzliche Fairtrade-Prämie von fünf Cent kann von den Kooperativen zur Verbesserung des Sozialwesens, für die Gesundheitsvorsorge o.ä. verwendet werden. Zum besseren Verständnis der Relationen ein Vergleich: Für ein T-Shirt werden im Schnitt etwa 150 Gramm Baumwolle verarbeitet. Der Rohstoffpreis fällt also mit wenigen Cents nur äußerst marginal ins Gesicht.

Die Organisation Transfair agiert als unabhängige Siegel-Initiative, die nicht selbst mit Waren handelt, sondern ihr Fairtrade-Siegel an Lizenznehmer vergibt, sofern sie die entsprechenden Standards einhalten. Diese wiederum werden von der in Bonn ansässigen Flo-Cert GmbH kontrolliert, der „Fairtrade Labelling Organisations International“, in der die weltweit 20 Siegelinitiativen zusammengeschlossen sind.
Übrigens: Mit „Bio“, mit Organic Cotton hat „Fairtrade“ erst einmal gar nichts zu tun. Trotzdem kommt es zur Verwechslung und Vermischung beider Themen. Auch bei gardeur registriert man bei Konsumentenanfragen verschiedentlich die diffuse Wahrnehmung der Begrifflichkeiten. Sabine Prehn: „Oft muss man Aufklärungsarbeit leisten, da viele Endverbraucher denken, dass „Fairtrade“ auch für Bio-Qualität steht.
Fair gehandelte Baumwolle ist nicht automatisch „bio“, sondern trägt in erster Linie zur Verbesserung der Sozialstandards der beteiligten Menschen bei. Bei allem Hype um Bio-Baumwolle, der faire Handel sei nachhaltiger, so Overath: „Wenn der faire Handel etabliert ist, dann erkennen die Bauern einen persönlichen Fortschritt, wollen weitermachen und investieren dann auch in organischen Anbau. Erst „bio“ und dann das Fairtrade-Label draufsetzen – das ist unrealistisch.“
Kornelia Scholz

 

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